Nachgefragt! Interview mit Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell.

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(Autorin: Susanne Lettner)
Welche Farbe haben ihre „guten“ Bleistifte? Meine sind seit jeher grün und sie kommen aus dem Traditionshaus Faber-Castell. Wer hinter diesem Unternehmen steckt hat mich schon lange interessiert und deshalb habe ich nachgefragt.Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell führt in achter Generation den Hersteller von Schreib- und Zeichenutensilien Faber-Castell. Die Gründung des Familienunternehmens geht auf das Jahr 1761 zurück. Weltweit erkennt man die Marke an ihrem grünen Logo mit den beiden kämpfenden Rittern. Faber-Castell bietet eine große Produktpalette für Kinder, Künstler oder für das Büro und Studium – wie Bunt- und Farbstifte, Füller, Kugelschreiber, Fineliner, Marker, Tintenroller, Zeichenkohle, Zirkel, Kreiden, Radierer oder Filz- und Graphitstifte. Außerdem gibt es die limitierten Editionen als Geschenk oder zum Sammeln von Graf von Faber-Castell und die Faber-Castell Cosmetics.

Das traditionsreiche Unternehmen engagiert sich ebenso im Bereich der zeitgenössischen Kunst. In den Jahren 2012 und 2015 wurde der Internationale Faber-Castell Preis für Zeichnung verliehen, welcher eine Kooperation mit dem Neuen Museum Nürnberg ist. Auch ermöglicht die Akademie Faber-Castell in Stein bei Nürnberg sich gestalterisch weiterzubilden, oder ein qualifiziertes Studium zu absolvieren.

Die Erfolgsgeschichte von Faber-Castell ist durch die Werte Nachhaltigkeit, soziale und ökologische Verantwortung und menschliche Tugenden wie Toleranz, Bescheidenheit und Aufrichtigkeit geprägt. Im März 2000 unterzeichnete der Vorstandsvorsitzende Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell die Sozialcharta Faber-Castell, die für die gesamte Unternehmensgruppe gilt. Sie gewährleistet die von der ILO empfohlenen Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen. Mit ihrem Umfang gehört sie zu den ersten international gültigen Vereinbarungen ihrer Art und schließt auch ein Verbot von Kinderarbeit in allen Betrieben weltweit ein. Auch verbietet sie Diskriminierung und schützt die Mitarbeiter vor Ausbeutung.

Der wichtigste Rohstoff für das Unternehmen ist Holz. Um nachhaltige Quellen zu schaffen, hat Faber-Castell vor mehr als zwei Jahrzehnten ein Wiederaufforstungsprojekt in Brasilien begonnen, das ökologische Forstwirtschaft und eine nachhaltige Ressourcensicherung verbindet. Seit Kurzem gibt es ein weiteres Forstprojekt in Kolumbien, das sowohl ökologische als auch soziale Ziele beinhaltet. Mit diesen Projekten setzt sich Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell für ein langfristiges und nachhaltiges Wirtschaften ein, das nicht auf Kosten der Umwelt oder der nachfolgenden Generationen geht.

Mich hat es gefreut, dass Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell für ein Interview bereit stand und meine Fragen zu seinem Werdegang, seiner Position als Vorstandsvorsitzenden und zum Wertebild des Familienunternehmens beantwortet hat.

Ich wünsche allen Klüngelkram-Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche.
Herzliche Grüße,
Ihre
Susanne Lettner


Nachtrag der Redaktion:
Am 21.1. 2016 ist Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell nach schwerer Krankheit gestorben. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, denen er nahe stand.

Wir möchten dazu beitragen sein Andenken zu wahren. Bitte finden Sie nachstehend das persönliche Interview, dass er unserer Gastautorin Susanne Lettner persönlich gegeben hat und das wir im Herbst 2015 veröffentlicht haben.


Interview mit Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell

Klüngelkram: Im Jahr 2011 feierte Ihr Unternehmen das 250 Jubiläum. War Ihnen von Anfang an klar, das Familienunternehmen zu übernehmen?
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: Nein, nicht von Anfang an. Ich begann meine Karriere als Investmentbanker und arbeitete damals in London und New York und konnte mir eigentlich nicht mehr vorstellen, wieder nach Nürnberg zurückzukehren. Heute bereue ich es jedoch nicht. An der Spitze eines Unternehmens zu stehen, dessen Name gleichbedeutend ist mit der Familientradition, das ist für mich eine wirkliche Verpflichtung.

Klüngelkram: Welche Philosophie leitet Sie als Unternehmer?
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: Lothar von Faber hat die nachfolgenden Generationen und auch mich persönlich stark geprägt: Seine Kompromisslosigkeit beim Aufbau der Marke, sein soziales Engagement, seine Kreativität und seine Konsequenz in der Eroberung neuer Märkte, lange bevor es das Wort „Globalisierung“ überhaupt gab, sind unternehmerische Qualitäten, die heute noch so aktuell sind wie damals. Dabei gilt es nicht, die Tradition zu bewahren, sondern sie als erfolgreiches Wertesystem zeitgemäß zu erhalten. Gleichzeitig darf man sich nicht scheuen, Bestehendes in Frage zu stellen und zu optimieren – das ist ein wesentlicher Teil des Erfolgs. Am Wichtigsten für mich persönlich ist es jedoch, neugierig zu bleiben und den Kundennutzen niemals aus den Augen zu verlieren.

Klüngelkram: Welches Wertebild zeichnet Ihr Familienunternehmen aus?
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: Gut geführte Familienunternehmen zeichnen sich durch Werte aus, die Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und menschliche Tugenden wie Fleiß, Bescheidenheit und Aufrichtigkeit beinhalten. Wichtig ist die Einstellung, die von Generation zu Generation vermittelt wird; dass man sich als dienendes Glied in einer Kette versteht und dass man den langfristigen Erhalt des Unternehmens vor den Wachstum per se stellt. Für mich gilt, dass es nicht die spektakulären Sprünge sind, die uns weiterbringen, sondern die Kontinuität in Dingen, die sich in der Vergangenheit als richtig erwiesen haben. Ständiges Optimieren nach dem Motto „Viele kleine und rasche Schritte ergeben auch einen großen Schritt“ ist seit jeher Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie.

Klüngelkram: Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit, um Energie für all Ihre Projekte zu tanken?
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: Ich pflege meine Sammlung zeitgenössischer Kunst, insbesondere Zeichnungen, zum Beispiel von Neo Rauch. Als Hersteller von Werkzeugen für Künstler habe ich das Glück, dass sich bei mir Beruf und Hobby treffen. Ich spiele aber auch Tennis und kümmere mich gern um die Pflege unseres Parks. Die Arbeit in und mit der Natur erfüllt mich mit großer Freude.

Klüngelkram: Haben Sie einen Lieblingsstift von Faber-Castell?
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell: Ich persönlich schreibe am liebsten mit dem perfekten Bleistift daher habe ich auch immer einen bei mir.

Wir bedanken uns herzlich für dieses Interview!

www.faber-castell.de
Faber-Castell, Nürnberger Straße 2 , 90546 Stein bei Nürnberg


Anekdote am Rande:
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell führte gemeinsam mit dem Laborchef der Firma Faber-Castell im Mai 2012 einen ungewöhnlichen Qualitätstest durch: Sie luden Medienvertreter zu einem Cocktailempfang der besonderen Art ein und tranken jeweils ein Glas Tinte aus der Produktion von Faber-Castell. Damit sollte die Umweltverträglichkeit der Faber-Castell-Kinderfilzstifte demonstriert werden. Sehen Sie selbst:


Interviewautorin Susanne LettnerZur Autorin:
Unsere Autorin Susanne Lettner ist Marketing- und Eventmanagerin bei einem Forschungsinstitut und langjährige Klüngelkram-Leserin. In ihrer Interview-Reihe stellt sie interessante Persönlichkeiten aus ihrem persönlichen und dem „Klüngelkram Lifestyle-Umfeld“ vor.
Mehr Informationen zur Autorin finden Sie hier.

Anregungen und Wünsche für weitere Interviews und selbstverständlich auch ein Gastbeitrag sind herzlich willkommen:
Wir freuen uns auf Ihre Themenvorschläge: redaktion@kluengelkram.de


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