Nachgefragt! Interview mit Louise v. Daniels und Merle Lindemann über den gemeinnützigen Verein STEP UP! Karrierewege

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Die Abiturprüfungen stehen unmittelbar vor der Tür und läuten für viele Schüler den Endspurt vorm Abschluss ein. Neben Pauken stehen auch Perspektiven auf dem Plan: Was will ich machen, wenn ich fertig bin? Was passt zu mir? Wohl dem, der Menschen um sich hat, die helfen: mit Rat und Tat, Erfahrung und Erkenntnis. Oder mit einer professionellen Beratung. Doch dieses Glück hat nicht jeder. Genau hier setzt Step Up! Karrierewege an.

2009 gründeten sieben engagierte Geschäftsfrauen den gemeinnützigen Verein Step Up! Karrierewege (klick). Was sie antreibt, ist der Wunsch, benachteiligte Jugendliche in ihrer Berufsbildung zu unterstützen, ihnen Sicherheit und Zuversicht zu vermitteln, damit sie sich für einen passenden beruflichen Weg entscheiden können. Deswegen fördert der Verein junge, engagierte Erwachsene mit einem Karrierestipendium. Was das beinhaltet und wie Leser das Projekt unterstützen können, darüber habe ich mit der Leiterin Louise v. Daniels und Merle Lindemann gesprochen.

Klüngelkram:

Karrierestipendium, das klingt spannend. Was genau bedeutet das und wie unterscheidet sich das Stipendium von anderen?

Step up!:

Unser Karrierestipendium begleitet Jugendliche über zwei Jahren hinweg bei ihrer beruflichen Orientierung und persönlichen Weiterentwicklung. Herzstück ist eine professionelle eintägige Beratung, bei der es darum geht, individuelle Potenziale zu erkennen und daraus Empfehlungen für die Zukunft abzuleiten. Nicht selten sind unsere Stipendiaten die ersten in ihren Familien, die studieren. Insbesondere da, wo Vorbilder fehlen, geben die Beratung und Betreuung durch Step up! wichtige Impulse. Wir zeigen ihnen Möglichkeiten, an die sie ansonsten vielleicht gar nicht gedacht hätten. Außerdem vernetzen wir sie mit Berufserfahrenen aus der Praxis, die ihnen Einblick in die Arbeitsrealität geben. So können sie sich selbst ein Bild machen und erste Kontakte knüpfen.

Klüngelkram:

Die eigene Zukunft zu gestalten, fällt vielen Jugendlichen schwer. Wer bewirbt sich bei euch? Was müssen Jugendliche mitbringen, um aufgenommen zu werden?

Step up! Karrierewege:

Unsere Stipendiaten kommen vor allem aus dem norddeutschen Raum und sind im Alter von 15 bis 25 Jahren – befinden sich also in einer Phase, in der es darum geht, zu entscheiden, was genau sie beruflich machen wollen. Um ein Stipendium zu erhalten, müssen sie unsere Kriterien erfüllen. Wichtig ist, dass das Engagement und die Noten stimmen. Bewerber müssen nicht Klassenbeste sein, aber der Notendurchschnitt in Abitur, Berufsschule oder Studium sollte gut – also 2,5 oder besser – sein. Zusätzlich berücksichtigen wir, wo sich Bewerber „nebenbei“ engagieren, also für andere einsetzen. Das kann bedeuten, dass sie Nachhilfe geben, in der Schülervertretung aktiv sind oder mit Flüchtlingen arbeiten. Gefördert werden ausschließlich Kandidaten, die die im Stipendium enthaltenen Leistungen selbst nicht selbst finanziell tragen könnten. Auf diese Weisen versuchen wir, Nachteile auszugleichen.

Klüngelkram:

Also kein Elitestipendium, sondern eines für Engagierte. Was passiert nach der Aufnahme ins Programm?

Step up! Karrierewege:

Das Stipendium startet mit dem Karriereberatungstag in Hamburg. An diesem Tag steht die Persönlichkeitsanalyse im Vordergrund: Wir sind der festen Überzeugung, dass ich genau dann gut bin in meinem Beruf, wenn er meinen Stärken und Fähigkeiten entspricht. Um dorthin zu gelangen, sprechen wir unseren Stipendiaten am Ende des Beratungstages sehr genaue und konkrete Empfehlungen aus. Es kann sein, dass wir ihnen raten, zunächst eine Ausbildung zu machen, bevor sie sich an ein Studium wagen. Welche Art der Ausbildung und welche Unis gut zu der jeweiligen Person passen, ist natürlich Teil dieser Empfehlung. Wenn unsere Stipendiaten sich entschieden haben, wohin ihre Reise gehen soll, melden sie sich wieder bei uns und wir stellen einen Kontakt zu einem unserer Mentoren her…

Klüngelkram:

Wer sind denn eure Mentoren und was ist ihre Aufgabe?

Step up! Karrierewege:

Bei unserem Mentoren-Programm steht der Netzwerkgedanke im Vordergrund. Wir vernetzen unsere Stipendiaten mit Berufspraktikern. Nicht immer funktioniert das Prinzip des „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt…“, und diese Lücke wollen wir schließen. Unsere Mentoren sind Ansprechpartner, wenn es um Studieninhalte und vor allem den tatsächlichen Berufsalltag geht. Sie alle eint die Freude am eigenen Beruf und der Wunsch, diese Begeisterung an junge Erwachsene weiterzugeben. Deswegen engagieren sie sich ehrenamtlich bei uns. Verteilt sind unsere Mentoren über die ganze Republik und das gesamte Spektrum an Branchen  –  von Architektur bis Zahnmedizin, von IT bis Ingenieurwesen. Je nach Möglichkeit telefonieren oder treffen sie sich vor Ort mit Stipendiaten, die von ihrem Know-how profitieren.

Klüngelkram:

Ihr beratet die Stipendiaten und vernetzt sie. Was erwartet ihr im Gegenzug von ihnen?

Step up! Karrierewege:

Wir bitten unsere Stipendiaten, sich in Abständen von ca. 6 Monaten bei uns zu melden und zu berichten, was sie erlebt haben und wie ihre Entwicklung vorangeschritten ist. Da jeder Stipendiat ein eigenes Profil auf unserer Website hat, werden diese Updates aus ihrem Leben dort auch verlinkt. So können Interessenten, Mentoren und Spender sehen, wie sich das Stipendium auswirkt. Darüber hinaus freuen wir uns, wenn Stipendiaten den Step up! Gedanken weitertragen und zu Multiplikatoren werden.

Klüngelkram:

Der Verein besteht seit ein paar Jahren. Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen? Gibt es Pläne?

Step up! Karrierewege:

Natürlich wünschen wir uns, jedes Jahr mehr Jugendliche in unser Programm aufnehmen und fördern zu können. Um die finanziellen Weichen dafür zu stellen, freuen wir uns über Spender, die unseren Verein unterstützen. Für Privatpersonen und Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten, uns als Sponsoren oder Paten unter die Arme zu greifen. Außerdem sind wir immer für Ideen und Anregungen offen.

Wir bedanken uns sehr für dieses interessante Interview und wünschen allen Beteiligten maximalen Erfolg!

Hier geht es direkt zur Seite von Step up! Karrierewege (klick)

Die Gründerinnen von Step Up! Karrierewege:

„Am Anfang meiner Karriere haben mich andere unterstützt. Davon möchte ich etwas zurückgeben.“ Mit dieser Motivation, selbst gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, gründet Ragnhild Struss (2. v.r.) 2009 Step up! Karrierewege e.V. Von der Idee begeistert, engagieren sich befreundete Geschäftsfrauen im Verein, u.a. Julia Schmid, Kristina von Troschke, Sophie Eisenmann und Carolyn Breitenstein (v.l.n.r.). Sie alle sind nicht nur Gründungsmitglieder, sondern auch Mentorinnen.

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