Alte Möbel- Nein Danke? Die neue Kolumne zum Thema Antiquitäten.

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Antiquitäten – für die einen sind sie familiäre Erinnerungstücke, der Inbegriff dessen, was sie sich unter einem traditionell-eleganten Einrichtungsstil vorstellen oder einfach Wertanlagen, für die anderen sind sie ein absolutes No Go: unbequem, mühsam zu pflegen und viel zu altmodisch.

Was macht die Faszination von Antiquitäten aus?

Wir freuen uns, dass wir Johannes Kößler, renommierter Möbelrestaurator und Kunsthändler mit einer bis ins 16. Jahrhundert ununterbrochenen Familienerfahrung im Umgang mit Holz, Kunsthandwerk und Möbeln als Gastautor für eine Kolumne rund um das Thema Antiquitäten gewinnen konnten.

Sein Thema heute:

Wie findet man überhaupt Zugang zu antikem Mobiliar?


Alte Möbel? Nein danke.

Ja, so denken viele und mir geht’s oft genug genauso! Wenn
sich da nicht wirkliche Perlen und Highlights unter diesen Möbeln verstecken würden, es wäre der blanke Horror.

Nach den Kriegszeiten des 20. Jahrhunderts galt es über viele Jahre hinweg als schick, sich mit möglichst vielen alten Stücken einzurichten. Diese sollten hochglänzend, möglichst wie neu und auf je den Fall nach großem Vermögen und altem ererbten Besitz aussehen.

Dieser Bedarf wurde vom Handel und von Auktionshäusern gerne befriedigt, so dass der Markt bekam, was er verlangte – nämlich viel. Und das dann aber auch viel zu teuer, totrestauriert und erbärmlich zusammengeschustert. Richtig hochwertige Schmuckstücke der Möbelkunst vergangener Jahrhunderte sind einfach Raritäten, das war damals so wie heute.

Die Sinne schärfen

Wie findet man nun aber Zugang zu antiken Möbeln? Ganz einfach über die Sensibilisierung der Sinne: etwas Interessantes über eine Stilepoche lesen, dazu schöne Musik aus der Zeit hören, die Augen über ausgewählt schöne Möbel schweifen lassen und dann auch ein wirklich tolles Stück befühlen.

Das geht am besten mit guten Büchern, aber auch im Internet lassen sich ganz schnell viele interessante Inhalte nachschlagen. Am besten ist es, beides miteinander zu nutzen und so kommen zur Geschichte die Personen, zu den Personen die Vorlieben, die Umgebung und deren Geschichten.

Gelebte Geschichte

Meine bevorzugten Stile sind Barock, Louis-Seize, Empire und Biedermeier. Und meine bevorzugten Möbel erzählen selbst die Geschichten aus ihren besten Zeiten. Das können königliche Möbel sein, aber auch ganz einfache mit Gebrauchsspuren, Patina und einer unvergleichlichen Aura. In jedem davon steckt viel Gesprächsstoff, der sich mit Freunden und Besuchern teilen lässt.

Hat man erst einmal einen Stil für sich entdeckt, so heißt es vergleichen, vergleichen, vergleichen und dabei das Schmuckstück für sich selbst entdecken. Wichtig sind Details, da sie die Schlagwörter der Möbelbaukunst sind. Ganz von selbst lernt man dann die Möbeltypen der jeweiligen Zeiten kennen und kommt nicht in die Gefahr, einen „originalen Biedermeier-Couchtisch“ zu kaufen, den es nie gab und der aufgrund insistierender Nachfrage in einem Hinterhof aus verwurmtem Altholz zusammengeschustert wurde.

Fortsetzung des Themas folgt…


Johannes KößlerGastautor Johannes Kößler ist mit antikem Mobiliar groß geworden – so wollte es die Familientradition. Seit dem 16. Jahrhundert führten seine Vorfahren das Schreinerhandwerk ununterbrochen fort – sein Urgroßvater arbeitete einst als Holzbildhauer für König Ludwig II. von Bayern.

Kößler betreibt seit mehr als 25 Jahren eine Möbelrestaurierungswerkstätte und führt einen Kunsthandel mit hochwertigen antiken Möbeln aus den Stilepochen des Barock bis Biedermeier. 2007 gewann er den „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ für die Restaurierung des Oberauerbacher Pfarrhofs.
www.jkoessler.de,
www.facebook.com/biedermeiermoebel


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Hier ein Internetfundstück der Klüngelkram-Redaktion zu den verschiedenen Stilepochen:
(Quelle: http://pinterest.com/kluengelkram/good-to-know)
Louis XVI

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